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Die Schwebefähre – Nach Kollision zur Reparatur

Die Schwebefähre unter der Eisenbahnhochbrücke in Rendsburg

Mit dem Bau der Schwebefähre wurde der Region Rendsburg wieder ein Unikum beschert. Es gibt nur eine weitere solche Fähre in Deutschland. Für die 135 Meter über den Kanal braucht die Schwebefähre knapp 1,5, Minuten. Die Gesamtstrecke, die die Fähre dabei zurückgelegt hat, ist weit mehr als 14-mal um die Erde. Und dabei gab es nur eine Havarie. Seit ihrer Inbetriebnahme am 2. Dezember 1913 hat sie nicht ein einziges Mal ihren Fahrplan geändert. Damit bleibt in Rendsburg die wohl einzigartige Kreuzung dreier Verkehrswege: Kanal, Eisenbahn und Straße mittels der Schwebefähre.

Die Gemeinde Osterrönfeld hatte beim Bau des Nord-Ostsee-Kanals keine eigene Kanalfähre bekommen und somit keine direkte Verbindung nach Rendsburg. Erst durch den Bau der Hochbrücke wurde dieses als Wiedergutmachung nachgeholt. Und zwar weil Osterrönfeld durch den Bau der Brücke eisenbahnverkehrstechnisch weiter von Rendsburg entfernt werden und der Bahnhof von Osterrönfeld außerhalb der Gemeinde neu angelegt werden musste. Man entschied sich, eine Fähre direkt unter der Brücke aufzuhängen und bescherte damit Rendsburg und der Region wieder ein Unikum. Es gibt in Deutschland wenige vergleichbare Bauwerke. Die Fähre ist 14 Meter lang und sechs Meter breit. Vier Autos und 60 Fußgänger können übergesetzt werden.
Schwebefähre – schon der Name mach neugierig. Ohne mit dem Wasser in Berührung zu kommen, schwebt sie von einem Ufer zum anderen. Der englische Begriff „transporter bridge“ klingt viel nüchterner, unspektakulärer. Dabei betonen Ingenieure gerne, dass es sich bei Schwebefähren nur um bewegliche Brücken handelt. Eigentlich ist die Schwebefähre auch keine Schwebefähre, sondern eine Hängefähre, denn sie schwebt nicht, sondern hängt mit vier Stahlseilen (jedes mit einem Durchmesser von 33 Millimeter) und acht gekreuzten Versteifungsseilen an einem Fährwagen, der auf vier Rollen in 45 Metern Höhe auf Schienen gleitet.

 

Die Schwebefähre in Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal

Die Schwebefähre in Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal

Der Fährwagen wird durch vier Elektro-Motoren mit jeweils 4,5 Kilowatt angetrieben. Jeder Trockner zu Hause braucht übrigens mehr Strom. Für die 135 Meter über den Kanal braucht die Schwebefähre etwa 1,5 Minuten. Sie fährt mit einer Geschwindigkeit von 1,24 m/sec (ca. 5 Km/h). Sollten die Motoren einmal ausfallen, stehen Batterien für die letzten Meter bis zum rettenden Ufer bereit. Seit ihrer Inbetriebnahme hat sie sage und schreibe über 550 000 km zurückgelegt – umgerechnet hat sie damit mehr als 14-mal den Erdball umrundet! Die Besatzung besteht aus einem Schwebefähren-Maschinisten. Der Maschinist hat eine Ausbildung zum Elektriker und muss im Besitz eines Radar-Zeugnisses sein. Weiter muss er ein Funkzeugnis haben.
Wie alle anderen Fähren über den Kanal ist auch die Benutzung der Schwebefähre kostenlos. Die Kanalverwaltung hat mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals ein öffentliches Hindernis geschaffen, so dass sie auch für den Transport über den Kanal aufkommen muss. Ist z.B. die Schwebefähre wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb, fährt meistens – jedenfalls für Fußgänger und Radfahrer – ein Ersatzboot. Bei einer Zählung beförderte die Schwebefähre rund 1000 Personen täglich. Pro Jahr sind es etwa 143 445 Autos.

Die Schwebefähre in Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal

Die Schwebefähre in Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal

Bis zur Nacht vom 13. auf den 14. Januar 1993 hatte es keine Havarie gegeben. Doch damals riss sich die Schwebefähre während eines Orkans los  und kollidierte mit dem einzigen in Fahrt befindlichen Schiff auf dem Kanal, der MS Linda Mareijke. Bruno Witt vom Restaurant Brückenterrassen, das direkt neben der Schwebefähre liegt, erinnert sich: „Wir hatten schon Feierabend und ich machte noch einen Kontrollgang. Da sah ich, dass sich die Schwebefähre im Sturm los riss und sich in die Mitte des Kanals bewegte. Sofort habe ich die Polizei angerufen. Allerdings wollten die mir zuerst gar nicht glauben.“

Doch es kam noch schlimmer: Am 8. Januar 2016 gegen 6.40 Uhr fuhr die Schwebefähre aus noch ungeklärter Ursache vom Nord- zum Südufer, obwohl der Frachter „Evert Prahm“ schon in Sichtweite war, los. Der Frachter kollidierte mit der Fähre und beschädigte die Halteseile und der Fahrwagen auf der Hochbrücke schwer. Zunächst wurde sogar angenommen, das die Hochbrücke beschädigt wurde. Das war allerdings nicht der Fall. Doch die Schwebefähre konnte vor Ort nicht repariert werden. Sie musste abgehangen werden und wird seitdem bei Saatsee repariert. Der Bund hat mittlerweile zugesagt, die Reparaturkosten zu übernehmen. Ob die Schwebefähre allerdings repariert werden kann oder ob eine neue Konstruktion gebaut werden muss, ist immer noch nicht entschieden.

Hier ein spektakuläres Youtube-Video vom Unfall (Quelle: canalcup-cam / shz)

Immer wieder ist bei Kanalarbeiten davon gesprochen worden, die Schwebefähre einzustellen. Nicht nur die Gemeinde Osterrönfeld, für die die Fähre seinerzeit gebaut wurde, machte sich für den Erhalt des einzigartigen Bauwerks stark. Seit 1988 steht die Eisenbahnhochbrücke mitsamt der Schwebefähre unter Denkmalschutz. Und daher sind alle Abriss-Pläne endgültig vom Tisch. Bautechnisch bleibt uns die Schwebefähre auch noch bis mindestens 2030 erhalten, so Gutachten. Alle zwei Jahre wird die Schwebefähre abgehängt und einem genauen Check unterzogen.

Es gibt übrigens in ganz Deutschland nur drei Schwebefähren. Zum einen die Fähre unter der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke und dann, rund 200 Kilometer weiter südlich, eine Schwebefähre über den idyllischen Elbnebenfluss Oste im niedersächsischen Osten. 2003 wurde in Mönchengladbach über die Niers eine dritte (nur für Fußgänger) in Deutschland gebaut. In Kiel gab es früher ebenfalls eine Schwebefähre, 1923 wurde diese aber leider abgerissen.
Weltweit sind noch neun dieser hängenden Fähren erhalten. Die Bürgermeister aller Schwebefähren-Städte, Denkmalschützer und Fördervereine kamen im Herbst 2003 in Bilbao/Spanien zusammen, um einen Weltverband der Schwebefähren zu gründen.

Sie schwebt und schwebt... Die Schwebefähre in Rendsburg. Foto: Stefan Fuhr

Sie schwebt und schwebt… Die Schwebefähre in Rendsburg. Foto: Stefan Fuhr

Für Rendsburg und Osterrönfeld waren die Bürgermeister Andreas Breitner und Jörg Sibbel dabei. Gastgeber war kein geringerer als der Spanische König Juan Carlos. In Spanien nämlich hängt die weltweit erste gebaute Schwebefähre – im Ort Portugalete nahe der Flussmündung des Rio Nervion. 1893 wurde sie von dem Spanier Alberto de Palacio erbaut. Und auf ihn sind die Spanier genauso stolz wie die Franzosen auf den Erbauer des Eiffelturms.
Die weltweit größte Schwebefähre ist übrigens die „Transporter Bridge“ in Newport in Wales.

Juan Carlos sagte in seiner Ansprache im Audienzsaal seines Zarzuela-Palastes nahe Madrid: „Bewahrt diese Brücken. Die Schwebefähren gehören der ganzen Menschheit.“

Auf unserer Video-Seite können Sie sich die auch einen Film der Schwebefähre ansehen. Hier klicken